Dampfen in der Schwangerschaft: harmlos oder riskant?

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Dampfen in der Schwangerschaft: okay oder No-Go?

 

Die E-Zigarette erfreut sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit. Die elektrische Variante der herkömmlichen Zigarette, bei der kein Tabak zum Einsatz kommt, ist weniger schädlich und damit mehr als nur eine Alternative für langjährige Raucher. Was wir alle wissen: Rauchen in der Schwangerschaft kann enorm negative Auswirkungen auf das Ungeborene haben. Rauchende Frauen sollten deshalb spätestens nach Bekanntwerden der Schwangerschaft unmittelbar mit dem Rauchen aufhören. Aber muss das bei E-Zigaretten auch sein oder kann man auch während der neun Monate bedenkenlos weiterdampfen?

Normale Zigaretten in der Schwangerschaft? Auf keinen Fall!

Schon geringste Mengen Nikotin und Kohlenmonoxid werden bei rauchenden Müttern über die Nabelschnur ans Kind weitergegeben. Dort verengen sie dessen Blutgefäße und vermindern damit den Sauerstoffgehalt im Blut des Ungeborenen. Die Risiken, die sich daraus für das Kind ergeben, sind nicht abzuschätzen. Fakt ist: Mütter, die in der Schwangerschaft rauchen, gebären durchschnittlich doppelt so häufig Kinder mit einer geistigen Behinderung wie nicht rauchende Mütter [1]. Ganz generell lässt sich sagen, dass der IQ von Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, oft signifikant unter dem von Kindern mit nicht rauchenden Müttern liegt [2]. Auch das Risiko für angeborene Herzfehler, Asthma und Allergien steigt durch Tabakkonsum in der Schwangerschaft rapide an. Ebenso maximiert sich das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt.

E-Zigaretten: Liquids mit und ohne Nikotin

Anders als bei normalen Tabakzigaretten, hat man bei E-Zigaretten die Wahl zwischen Liquids mit, und solchen ohne Nikotin. Risiko Nummer eins lässt sich also schon einmal ausschließen. Wäre da noch das Kohlenmonoxid, das für zahlreiche Negativfolgen des Rauchens in und außerhalb der Schwangerschaft verantwortlich ist. Das krebserregende Giftgas entsteht, wenn bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Materialien unzureichend Sauerstoff vorhanden ist. Doch während Tabakrauch etwa zwei Volumenprozent Kohlenmonoxid enthält (etwa so viel wie die nicht entgifteten Abgase eines Autos), ist der Dampf der E-Zigarette vollkommen frei von Kohlenmonoxid. Auch das ist erst einmal eine gute Nachricht für Frauen, die sich dafür entschieden haben auch während der Schwangerschaft zu dampfen.

Hauptbestandteile der Liquids unbedenklich für Schwangere

Liquids für E-Zigaretten bestehen hauptsächlich aus Propylenglykol, Lebensmittelaromen, Glycerin und ein wenig Wasser. All das sind Stoffe, die uns an vielen Stellen im Alltag begegnen und mehr oder weniger unbedenklich für unsere Gesundheit sind. So ist beispielsweise Glycerin als Lebensmittelzusatz in vielen Speisen enthalten. Aufgrund der feuchtgkeitsspendenden Eigenschaft des Zuckeralkohols wird dieser zudem zahlreichen Kosmetikprodukten beigemischt. Auch Propylenglykol ist ein beliebter Lebensmittelzusatz und beispielsweise in handelsüblicher Zahnpasta zu finden. Während der Schwangerschaft wird wohl kaum jemand auf das Zähneputzen verzichten.

Verdampfen, statt Verbrennen

Propylenglykol ist auch ein Bestandteil vieler Tabakprodukte. In handelsüblichen Filterzigaretten verhindert der Stoff das Austrocknen des Tabaks. Etwaige gesundheitliche Bedenken stehen jedoch mit der Verbrennung von Propylenglykol in Verbindung [3]. Bei der E-Zigarette wird der Stoff hingegen nicht verbrannt, sondern nur erhitzt.

Dampfen in der Schwangerschaft: eine persönliche Entscheidung

Ärzte und andere Wissenschaftler sind sich größtenteils einig: Der Konsum von Liquids ist weitaus unbedenklicher als das Rauchen von Tabakzigaretten. Eine vom Royal College of Physicians aus London veröffentlichte Studie verdeutlicht, dass jahrelanges Dampfen nur etwa 5 Prozent der gesundheitlichen Schäden verursacht, die der äquivalente Konsum von Tabak nach sich ziehen würde [4].

Zum einen werden keine Stoffe verbrannt und es entsteht kein Kohlenmonoxid. Zum anderen kann man mit dem Verzicht auf nikotinhaltige Liquids den zweiten großen Risikofaktor ausschließen. Studien, die auch für den Konsum von E-Zigaretten in der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Asthma, Allergien sowie Herz-Gefäß-Schäden des heranwachsenden Kindes nahelegen, beziehen sich ausschließlich auf Liquids mit Nikotin [5].

Gänzlich unbedenklich scheinen aber auch nikotinfreie Liquids nicht immer zu sein. Insbesondere in Produkten unbekannter Hersteller wurden bereits Nitrosamine, Diethylenglykol und Formaldehyde gefunden. Aussagekräftige Langzeitstudien über das Dampfen gibt es ebenfalls noch keine und so bleibt es eine persönliche Entscheidung, ob man während der Schwangerschaft weiterhin Liquids mit seiner E-Zigarette verdampfen möchte. Wenn, dann sollte man in jedem Fall nikotinfreie Liquids verwenden.

Unabhängig davon ob dampfen vermeintlich weniger Risiko birgt als die offensichtlichen Gefahren die das Rauchen mit sich bringt, ist es sicher in jedem Fall die sicherste Entscheidung beides zu vermeiden – und so jedes Risiko während der Schwangerschaft auszuschließen.

Quellen & Literatur

[1] Schmidt, Dr. med. Edmund, Schmidt, Nathalie
Leitfaden Mikronährstoffe. Kapitel 2, 370 – 381
Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2004

[2] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52459/Rauchen-in-der-Schwangerschaft-foerdert-Leseschwaeche-des-Kindes

[3]https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/PITOC/PITOC_Zusatzstoffe_Tabakprodukte_Propylenglykol.pdf

[4] https://www.rcplondon.ac.uk/news/promote-e-cigarettes-widely-substitute-smoking-says-new-rcp-report

[5] Pressemitteilung der Deutschen Lungenstiftung e.V. unter Berufung auf Studienergebnisse, die auf der Jahreskonferenz der Thoracic Society of Australia and New Zealand (TSANZ) vom 24. bis 28.3.2017 in Canberra vorgestellt wurden

Grafiken:

https://stock.adobe.com/de/images/coole-raucherin/97001143

 

ein Kommentar zu “Dampfen in der Schwangerschaft: harmlos oder riskant?”

  1. Das Dampfen in der Schwangerschaft ist nicht zu Empfehlen. Die Zutaten der Liquids kommen alle aus dem Lebensmittelbereich, aber dort werden diese nicht inhaliert. Genau das ist auch der kritische Punkt. Nicht die Substanz ist schädlich, evtl aber die inhalierte Dosis. Hierfür fehlen noch Langzeiterfahrungen. In einer Studie wurden schwangere Mäuse dem E-Zigaretten Dampf ausgesetzt. Einige Jungen Mäuse hatten nachweisbare genetische Veränderungen im Gehirn. Natürlich sind wir keine Mäuse und der Zusammenhang zum Menschen ist nicht direkt ersichtlich. Vorsicht ist aber angesichts dieses Tests empfohlen. Das einzig Wahre in der Schwangerschaft ist das Nichtrauchen und Nichtdampfen.

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